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Radtour durch Unstrut- und Saaletal nach Finnland

Fahrradfahrer vor der Arche Nebra

Durchs Unstrut- und Saaletal nach Finnland


Der Autor Helmut Wolk nimmt uns in »Rad-Reise nach Mittsommer« mit auf seine 37-tägige E-Bike Tour vom Rheinland nach Finnland.

Via Eder, Fulda und Werra führte die Tour in der ersten Woche nach Mühlhausen a. d. Unstrut, bevor ich nach weiteren 5 Etappen an Unstrut und Saale bei Barby die Elbe passierte. Dabei zählten Rastenberg, Nebra und Goseck zu den Highlights meiner Reise, die ich für diesen Erlebnisbericht ausgewählt habe.


Durchs Finneland

Per Zufall entdeckte ich beim Landkartenstudium an der Unstrut das „Finneland“. So schloss sich der Kreis, denn Deutschlands nördlichstes Weinland Saale-Unstrut geisterte mir schon seit langem durch den Kopf. Somit war das Finneland auf dem Weg nach Suomi ein MUSS. Von Sömmerda kommend fuhr ich über die alte Trasse der Finnebahn nach Rastenberg. Wie in einer Life-Doku traf ich hier auf viele Menschen, die mir bei meiner Essensuche-Odyssee versuchten zu helfen. Da waren die Damen vom Frisörsalon IZ, der Chef der Capri Pizzeria und der Küster der Coudray-Kirche, der mir so nebenbei eine 1A Kirchenführung angedeihen ließ. Und schließlich war da noch die Köchin von Finneck, die mir auf den Höhen der Finne bei der Wegesuche nach Nebra aus der Patsche half. Aber auch sie hatte leider nichts Essbares dabei. Zum Glück gab´s am Wegesrand jede Menge Kirschen.


Die Himmelsscheibe von Nebra – Original und Fälschung

Nebra ist gleichbedeutend mit Himmelsscheibe und selbstredend für jeden astronomisch Interessierten. Und damit war klar, dass ich nach einem Frühstück mit einer schier unglaublichen Honigauswahl in der Pension Kretzschmar die Ausstellung in der „Arche Nebra“ aufsuchte. Hier wurde mir bewusst, in welch geschichtsträchtigem Landstrich ich mich befand. Zumindest für „Wessis“ ein noch weitgehend unentdeckter touristischer Geheimtipp. Ja, und dann entdeckte ich auch noch das Nebra-Double. Die Nachbarschaft der Himmelsscheibe hatte scheinbar einen „genetischer Fingerabdruck“ in einem Kirschbaumstumpf hinterlassen. Im Anschluss lernte ich dann die schönsten Abschnitte an der Unstrut kennen. Anfänglich ging es an imposanten Sandsteinfelsen und Muschelkalkhängen entlang, bevor diese bei Laucha und Freyburg allmählich von Weinhängen abgelöst wurden. Perplex war ich über die Vielzahl der Saale-Unstrut-Weine. Sage und schreibe 16 Rebsorten zählte ich. Winzerhäuschen lockern die Weinhänge auf, was diesem Weinanbaugebiet einen unverwechselbaren Charakter gibt. Leider sollte es noch bis zum Abend dauern, bis ich den Saale-Unstrut-Wein, zusammen mit einigen anderen Radlerkollegen, in angeregter Runde genießen konnte, bevor ich eine weinselige Nacht in der Pension Neumann in Freyburg verbrachte.

Ägypten an der Unstrut

Der nächste Tag war vollgepfropft mit magic moments. Auf dem Weg nach Naumburg wusste ich zuerst nicht, ob der gestrige Wein meine Sinne vernebelt hatte. „Du bist doch nicht in Ägypten?“ Wie im Niltal reihte sich ein Dutzend Steinreliefs aneinander, die in den Sandsteinfelsen entlang der Unstrut gemeißelt waren. Welch ein imposantes Kunstwerk – das muss man einfach gesehen haben!

Zum deutschen „Stonehenge“

Auf der Weiterfahrt faszinierte mich bereits von weitem Schloss Goseck, das hoch über der Saale thronte. Aber ich ahnte noch nicht, welche Überraschungen dort auf mich warteten – das Museum der Kreisgrabenanlage von Goseck als auch die renovierte Schlosskirche. Museumsführer und Pfarrer ließen mir eine unvergessliche Geschichtsstunde angedeihen. Nicht weit entfernt von der Burg wurde das deutsche „Stonehenge“ entdeckt. Goseck war für mich wie ein schwarzes Loch – keine Ahnung. Dabei nimmt Goseck eine historische Dimension ein, die hierzulande seines Gleichen sucht. Auch wenn nicht aus Steinblöcken, sondern aus Holzstämmen erbaut, ist die Anlage von Goseck 1.600 Jahre älter als das englische Stonehenge und sogar ca. 2.000 Jahre älter als die ägyptischen Pyramiden (Foto 3). Aber das sind beileibe nicht die einzigen historischen Kleinode in der Saale-Unstrut-Region. Neben zahlreichen Burgen warten noch die Fundstätten des 400.000 Jahre alten Menschenskeletts bei Bitzingsleben oder das Fürstengrab von Leubingen auf Entdeckung. Schon mal was von „Aunjetitz“ gehört? Eine der ältesten Großkulturen Mitteleuropas war hier ansässig. Deren Zeitzeugen waren unsere Vorfahren, welche die Himmelsscheibe aber auch zahlreiche Fürstengräber wie in Leubingen, Langeneichsstädt oder Pömmelte hinterließen.

Resümee

Die Tage an Unstrut und Saale haben bei mir unendliche viele positive Impressionen hinterlassen. Ich hoffe, ein wenig die Neugier geweckt zu haben, selbst einmal diesen wunderschönen Landstrich zu besuchen.

Herzlichst
Ihr Mittsommer-Radler

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