Terrassenweinhänge, jahrhundertealte Trockenmauern und romantische Weinberghäuschen: Saale-Unstrut kann seine lange Geschichte nicht verleugnen. Schon vor mehr als 1.000 Jahren kultivierten Mönche in der Region zwischen Weimar und Leipzig die ersten Reben und legten damit den Grundstein für das heute nördlichste Qualitätsweinbaugebiet Deutschlands.
Die vielleicht schönste Zeit, diesen Landstrich zu entdecken, ist das Frühjahr, wenn die Sonne mild über den Muschelkalk scheint und sich die ersten zarten Triebe an den Reben zeigen. Es ist der Moment, in dem die Landschaft erwacht und der junge Wein des neuen Jahrgangs erstmals in die Gläser fließt. Ein perfekter Anlass für einen Ausflug, für den dieser Beitrag die passenden Tipps liefert.
Mit den ersten wärmeren Tagen im Jahr werden die Hänge langsam grün und in den Weinkellern der Region wird mit Spannung der Verkostung des neuen Jahrgangs entgegengefiebert. Denn mit dem ersten Probieren zeigt sich endlich, ob sich die monatelange Arbeit und die Mühen der Winzer gelohnt haben.

Den gesamten April über öffnen die Weingüter ihre Türen für die ersten Kostproben der Saison. Die Jungwein-Wochen (jährlich im April) in Naumburg, Freyburg und Umgebung sorgen mit Musik und Kulinarik für eine stimmungsvolle Verkostung. Den krönenden Abschluss bildet der Freyburger Weinfrühling am 1. Mai: Entlang der Ehrau- und Schweigenberge schenken die Winzer ihre Weine dort aus, wo sie gewachsen sind – direkt am Weinberg.
Das Gradierwerk Louise in Bad Sulza ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für Kurgäste und Urlauber, sondern bietet mit den After-Work-Weinzerstäubungen ein außergewöhnliches Veranstaltungsformat. In der 140 Meter langen Anlage wird Wein fein zerstäubt und mit Musik kombiniert – wobei die regionalen Weine selbstverständlich auch ganz klassisch im Glas ausgeschenkt werden.

Die Geschichte des Weinbaus lässt sich in Saale-Unstrut besonders gut dort nachvollziehen, wo sie einst begann. Die Zisterzienser-Mönche des Klosters Pforta waren wahre Pioniere am Hang und schufen eine Kulturlandschaft, die man heute noch bei geführten Weinbergswanderungen erleben kann. Auf den historischen Rebhängen rund um das heutige Landesweingut wird bei thematischen Keller- und Weinbergstouren deutlich, wie sehr Tradition und moderne Kellerwirtschaft hier Hand in Hand gehen.
Wer die Region lieber ganz persönlich und im kleinen Rahmen kennenlernen möchte, kann sich einer geführten Tour des Anbieters „Weinauszeit“ anschließen. Die Touren führen durch verschiedene renommierte Weingüter in Freyburg, Naumburg oder Obermöllern und bieten tiefe Einblicke in die Arbeit der lokalen Winzerbetriebe. Je nach Wunsch lassen sich die Rundgänge kurz oder ausführlich gestalten. Für Kurzentschlossene oder kleine Gruppen gibt es zudem regelmäßige öffentliche Führungen durch die Weinberge oder Verkostungen in gemütlichen Weinhöfen.

Ein besonderes Erlebnis sind die Weinwalks durch den Freyburger Edelacker. Begleitet von Sommelière Sandra Polomski vom Weinhaus Polomski führt der Weg durch eine der steilsten Lagen der Region, vorbei an den typischen kleinen Weinbergshütten. Zur Belohnung gibt es nach dem Aufstieg ein rustikales Winzervesper und die passenden Jungweine direkt im Weinberg.

Es ist das Zusammenspiel aus den markanten Flusstälern von Saale und Unstrut und den steilen Hängen, das diese Gegend so besonders macht. Was für den Weinbau ideale Bedingungen bietet, schafft gleichzeitig eine reizvolle Landschaft für Wanderer und Radfahrer. Wer hier unterwegs ist, erlebt Natur und Genuss als Einheit: Die Wege führen oft direkt am Wasser entlang und verbinden wunderschöne Aussichtspunkte mit den gemütlichen Höfen der Winzer.
Ein Frühlingswandertipp ist der Saale-Wein-Weg mit Start in Naumburg. Auf dieser 25-Kilometer-Tour wandert man unmittelbar an den Weinbergen und der Saale entlang, wobei mehr als 15 Winzerhöfe und Straußwirtschaften zur Einkehr einladen.
Wandern und Wissen verbindet der Weinlehrpfad Saale-Unstrut zwischen Laucha und Freyburg. Auf diesem rund zwölf Kilometer langen Weg entlang der Unstrut vermitteln insgesamt 26 Schautafeln Wissenswertes über das Winzerhandwerk, die Rebsorten und die Geologie der Region. Die Tour bietet sich besonders für einen entspannten Spaziergang an, der direkt in die Weinstadt Freyburg führt.
Zu den Langstrecken-Klassikern zählt die Weinstraße Saale-Unstrut. Sie erstreckt sich über 60 Kilometer von Memleben bis nach Bad Sulza. Mehrtageswanderer und Radfahrer entdecken hier nicht nur Weingüter und kleine Straußwirtschaften, sondern auch imposante Schlösser, Burgen und historische Ortskerne. Besonders lohnenswert sind Abstecher zum Kloster Pforta, dem Denkmal Fürst-Heinrich-Stein oder dem Max-Klinger-Weinberg in Naumburg.

Sportlich und genussvoll zugleich ist man auf dem Saaleradweg zwischen Jena und der Domstadt Naumburg unterwegs. Die etwa 50 Kilometer lange Etappe führt vorbei an geschichtsträchtigen Burgen und bietet immer wieder Gelegenheiten, das Rad stehen zu lassen. Viele Weingüter und Straußwirtschaften am Wegesrand haben sich auf Radfahrer eingestellt und bieten die ideale Kulisse für eine wohlverdiente Pause inmitten der Frühlingslandschaft.
Wer die Region besucht, sollte sich nicht nur die Zeit für ein Glas Wein nehmen, sondern ebenfalls den ein oder anderen Abstecher zu den geschichtsträchtigen Kulturdenkmälern nehmen. Hier wird die enge Verbindung zwischen herrschaftlicher Architektur, klösterlichem Erbe und dem Weinbau nämlich besonders greifbar.
Hoch über Freyburg thront die mächtige Anlage von Schloss Neuenburg. Sie ist nicht nur wegen ihrer Architektur einen Besuch wert: Das dort beheimatete Weinmuseum dokumentiert die jahrhundertealte Tradition des Weinbaus in Saale-Unstrut. Ein Rundgang vermittelt anschaulich, wie die Menschen der Region seit Generationen mit und vom Wein leben.

Ein weiteres Highlight für Kultur- und Naturfreunde sind die Dornburger Schlösser und Gärten. Das Ensemble aus drei Schlössern bietet einen weiten Blick über das Saaletal. Besonders sehenswert ist der dazugehörige Weinberg, der eindrucksvoll zeigt, wie Schlossgärten und Rebhänge zu einer harmonischen Einheit verschmelzen können.
Unweit von Naumburg liegt Schulpforte, das Gelände des ehemaligen Zisterzienserklosters Pforta. Als Wiege des regionalen Weinbaus ist dieser Ort ein Muss für jeden Besucher. Im modernen Besucherzentrum und der dazugehörigen Vinothek des Landesweinguts lässt sich das Erbe der Mönche direkt im Glas nachvollziehen – ein idealer Ort, um einen ereignisreichen Tag in historischem Ambiente ausklingen zu lassen.
Ob zu Fuß oder auf dem Sattel – Saale-Unstrut beweist im Frühjahr eindrucksvoll, wie gut sich Bewegung und Genuss ergänzen. Wer nach den oben genannten Tipps noch weiter auf Entdeckungstour gehen möchte, findet in der Region zahlreiche weitere Möglichkeiten.
Wanderer können auf der SaaleHorizontale (Etappe 4) die weiten Panoramablicke rund um Jena genießen oder auf dem Wein-Wanderweg in Bad Sulza tief in die Kurstadt-Atmosphäre eintauchen. Auch für Radfahrer gibt es mit der sechsten Etappe des Unstrutradwegs von Nebra nach Naumburg eine wunderbare Strecke, die auf 35 Kilometern durch das malerische Flusstal führt.
Egal für welchen Weg Sie sich entscheiden: In Saale-Unstrut sind die nächste Straußwirtschaft und ein gutes Glas Wein nie weit entfernt. Packen Sie die Wanderschuhe oder das Rad ein und erleben Sie selbst, wie die Region im Frühling zum Leben erwacht.