Wahrzeichen und lebendige Tradition im Herzen Jenas
Mitten auf dem historischen Marktplatz erhebt sich eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt: das Hanfried-Denkmal. Wer Jena besucht, kommt an dieser imposanten Bronzestatue nicht vorbei – weder räumlich noch kulturell.
Der „Hanfried“, wie ihn die Jenaer liebevoll nennen, ist weit mehr als ein Denkmal: Er ist Symbol für die bewegte Geschichte der Stadt und ihrer Universität sowie lebendiger Treffpunkt im urbanen Leben. Das Standbild zeigt Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen, genannt der Großmütige, den Begründer der Jenaer Universität. Errichtet wurde das monumentale Denkmal im Jahr 1858 – genau 300 Jahre nach der Gründung der Universität, die bis heute das geistige und kulturelle Leben Jenas prägt. Geschaffen wurde die eindrucksvolle Figur vom Berliner Bildhauer Johann Friedrich Drake, der den Kurfürsten detailreich und würdevoll in Szene setzte. In seiner Darstellung trägt Johann Friedrich die Amtsrobe und die Amtskette eines Rektors, in den Händen hält er Schwert und Bibel – Sinnbilder für weltliche Macht und geistige Verantwortung. Diese Symbolik verweist auf die bewegte Geschichte der Universitätsgründung: Nachdem die sächsischen Kurfürsten im Zuge des Schmalkaldischen Krieges die Universität Wittenberg verloren hatten, initiierte Johann Friedrich I. die Gründung einer neuen „Hohen Schule“ in Jena, die 1558 zur Universität erhoben wurde.
Heute bildet das Hanfried-Denkmal den zentralen Blickfang des Marktplatzes, eingerahmt von historischen Gebäuden, Cafés und Restaurants. Hier pulsiert das Leben: Einheimische und Gäste treffen sich, genießen das Flair der Altstadt oder beobachten ein ganz besonderes Schauspiel – ein traditionsreiches studentisches Ritual. Frisch promovierte Doktorinnen und Doktoren versuchen, einen Kranz über das erhobene Schwert des Hanfrieds zu werfen. Was einfach klingt, erweist sich angesichts der Höhe als echte Herausforderung. Unter dem Jubel von Freunden, Kommilitonen und neugierigen Zuschauern wird jeder Versuch zum kleinen Ereignis. Gelingt der Wurf, brandet Applaus auf und der Moment wird zu einem unvergesslichen Teil der Jenaer Universitätskultur. So verbindet das Hanfried-Denkmal eindrucksvoll Geschichte und Gegenwart: Es erinnert an die Wurzeln der Stadt als Wissenschaftsstandort und ist zugleich Bühne für lebendige Traditionen.