Mit Ihrer beeindruckenden Anzahl an Burgen, Dom- und Klosteranlagen sowie einer jahrhundertealten Weinbaukultur zählt die Saale-Unstrut-Region zu den bedeutendsten Kulturregionen Deutschlands. Meisterwerke wie der UNESCO-weltberühmte Naumburger Dom prägen diesen Landstrich seit dem Mittelalter.
Dass dieser Reichtum an Baukultur keineswegs in der Vergangenheit verhaftet ist, zeigt sich in der zugänglichen Gestaltung der Ausflugsziele: Zahlreiche historische Zeitzeugen lassen sich heute auch von Gästen mit Einschränkungen entdecken. Mit mehr als 30 zertifizierten Einrichtungen, Unterkünften und Naturwegen bietet Saale-Unstrut ideale Bedingungen für Entdeckungsreisen der besonderen Art.
Unweit von Jena, im malerischen Örtchen Seitenroda, thront die Leuchtenburg auf einem 400 Meter hohen Muschelkalkfelsen oberhalb der Porzellanstadt Kahla. Als „Königin des Saaletals“ bildet die imposante Wehranlage ein beliebtes Ziel für Kulturbegeisterte.
Auf der Burg erwartet Besucher das Museum Porzellanwelten, das auf über 3.000 Quadratmetern Fläche in mehr als 260 Jahre Thüringer Porzellangeschichte führt. Die Ausstellung ist dank eines Aufzugs rollstuhlgerecht gestaltet. Auch das Besucherzentrum, die Burggastronomie sowie das Panorama-Bistro mit Blick über das Tal sind ebenerdig zugänglich.
Bislang mussten die letzten 61 Höhenmeter hinauf zur Burg allerdings zu Fuß bewältigt werden – für Menschen mit Beeinträchtigung oft eine Hürde. Ab diesem Herbst macht ein neuer Schrägaufzug an der Ostseite des Burgberges den Besuch deutlich einfacher: In nur zwei Minuten befördert er Gäste nahezu bis vor das Burgtor, von wo aus ein gut befahrbarer Panoramaweg anschließt. Damit wird die Leuchtenburg zur ersten stufenfrei zugänglichen Höhenburg Deutschlands.

Südwestlich von Nebra entführt das Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben im idyllischen Unstruttal in die Glanzzeit der ottonischen Herrscher. Der geschichtsträchtige Ort war Sterbeort Heinrichs I. sowie Kaisers Ottos des Großen, woraufhin hier ein bedeutendes Benediktinerkloster entstand.
Das Kloster ist seit 2024 nach „Reisen für Alle“ zertifiziert. Ein hindernisfreier Rundgang führt zu den Spuren der Monumentalkirche aus dem 10. Jahrhundert, zur spätromanischen Kirchenruine aus dem 13. Jahrhundert und durch den liebevoll gepflegten Klostergarten und in den Klausurhof. Zudem sind sechs Ausstellungsbereiche zu Archäologie, der Buchherstellung und dem Alltag der Mönche sowie das hauseigene Klostercafé komplett stufenfrei erreichbar.
Kultur- und Naturerlebnisse liegen in Saale-Unstrut eng beieinander. Das rund 40.800 Hektar große Schutzgebiet des Naturparks Unteres Saaletal erstreckt sich vom Nordwesten Halles bis über Nienburg hinaus. Ausgewählte Pfade sind nach “Reisen für alle zertifiziert" und dadurch besonders geeignet für Gäste mit Mobilitätseinschränkungen.
Der rund 2,5 Kilometer lange Naturlehrpfad "Porphyrlandschaft Wettin/Gimritz" startet am Parkplatz in Mücheln. Von der Templerkapelle aus geht es durch diesen einzigartigen Naturraum, der mit zahlreichen Schautafeln informiert. Der Untergrund besteht überwiegend aus gut begehbarem, trittsicherem Rasen und Kies, was den Rundweg besonders für Familien spannend macht. Vereinzelte Abschnitte sind nicht befestigt und durch eine Steigung von bis zu 20 % nicht für Rollstuhlfahrende geeignet.
Der Weg zum Informations- und Aussichtspunkt auf dem Saalberg in Rothenburg eignet sich wiederum ideal für Rollstuhlfahrende. Von der nahegelegenen Anwohnerstraße Saalberg führt ein etwa 250 Meter langer, leicht befahrbarer Schotterweg sanft zur Plattform. Dort bieten im Sitzen gut einsehbare Schautafeln und Bänke einen ungestörten Weitblick über die Hangterrassen und Streuobstwiesen des Saaletals.

Neben den vorgestellten Stationen tragen viele weitere Kultur- und Freizeiteinrichtungen der Region das Gütesiegel „Reisen für Alle“. Dazu gehören unter anderem Besuchermagneten wie der Naumburger Dom, der Merseburger Dom, die imposante Burg Querfurt sowie das Besucherzentrum Arche Nebra. Hier finden sich unter anderem stufenlose Zugänge über Rampen oder Aufzüge sowie rollstuhlgerechte Sanitäranlagen, die einen Besuch auch für beeinträchtigte Personen ermöglichen.

Das bundesweit einheitliche Zertifizierungssystem „Reisen für Alle“ steht für transparente, verlässliche und geprüfte Informationen zur Barrierefreiheit touristischer Angebote. Es bewertet nicht, ob etwas barrierefrei ist, sondern beschreibt detailliert, wie zugänglich ein Angebot für die unterschiedlichen Bedürfnisse ist. Aktuell tragen knapp 414 touristische Einrichtungen in Sachsen-Anhalt und Thüringen das Gütesiegel. So lässt sich die Reiseplanung verlässlich und ohne Überraschungen gestalten.

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