Vorlesung im Kino
dienstags 16:15 Uhr – 20:00 Uhr, Kino im Schillerhof, Helmboldstr. 1, 07749 Jena
Beginn Dienstag, 3.11.2026
DIE VORLESUNG IST ÖFFENTLICH
Mit dem Erstarken revisionistischer bzw. reaktionärer ‚Narrative‘ in den letzten zehn Jahren hat die Frage, wie an die Vernichtung der europäischen Juden erinnert werden soll, neue Aktualität erlangt. Die öffentliche Vorlesung im Kino nimmt dies zum Anlass eines historischen Rückblicks auf die Geschichte der Erinnerung an den Holocaust von der frühen Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre, die immer eine Auseinandersetzung über die Deutungshoheit war. Die alle 14 Tage stattfindende Vorlesung im Kino zeigt exemplarisch ausgewählte Spielfilme verschiedener Genres (oft Verfilmungen literarischer Vorlagen): Nach einer Einführung wird der Film projiziert (z.T. analog auf 35 mm); im Anschluss wird der Film jeweils analysiert und in seinem politischen und ästhetischen Zusammenhang dargestellt. Zum Abschluss ist immer ca. eine halbe Stunde Zeit für eine gemeinsame Diskussion.
03.11.2026 DER RUF (D/US. Zone 1949, Josef von Báky) 104 Min., 35 mm
DER RUF – Philosophieprofessor Mauthner, 1933 entlassen und zwangsweise in die USA emigriert, erhält nach dem Krieg einen Ruf an seine alte Universität in Göttingen. Er entschließt sich zurückzukehren. Schon mit seiner Ankunft und der Antrittsvorlesung an der Universität schlägt ihm antisemitischer Hass entgegen.
Fritz Kortner, der die Hauptrolle spielt und das Drehbuch schrieb, war ein berühmter Film- und Theaterschauspieler der Weimarer Republik. Er musste 1933 emigrieren und kehrte für den Film DER RUF 1948 erstmals wieder nach Deutschland zurück.
DER EINTRITT IST FREI; mit freundlicher Unterstützung der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung (TLPB) LOGO
24.11.2026 AM GRÜNEN STRAND DER SPREE (BRD 1960, Fritz Umgelter); Episode 1: DAS TAGEBUCH DES JÜRGEN WILMS (98 Min., DCP)
Verfilmung des gleichnamigen seinerzeit sehr erfolgreichen Romans von Hans Scholz, der 1955 in der Bundesrepublik erschien. Die fünfteilige Fernsehserie, die sich eng am Verlauf des Romans orientiert, erzählt aus verschiedenen Perspektiven die Kriegserfahrungen einer Gruppe von Freunden, die sich nach dem Krieg in ihrer ‚Stammbar‘ wiedertreffen. Dabei wird auch die systematische Judenvernichtung in Osteuropa erstmals im deutschen Spielfilm aus Täterperspektive gezeigt. Der Film war seinerzeit in der BRD ein sog. ‚Straßenfeger‘, d.h. mit sehr hohen Einschaltquoten, übertroffen nur noch von der US-amerikanischen Fernsehserie HOLOCAUST, die 1979 in der BRD ausgestrahlt wurde.
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08.12.2026 NACKT UNTER WÖLFEN (DDR 1963, Frank Beyer) 124 Min., DCP
Darstellung der Arbeit des kommunistisch geprägten Internationalen Lagerkommitees des KZ Buchenwald in den letzten Monaten vor der Befreiung. Die DEFA-Verfilmung des gleichnamigen Romans machte diesen zum zentralen ‚Dokument‘ des Mythos von der kommunistischen Selbstbefreiung des KZs.
05.01.2027 ZEUGIN AUS DER HÖLLE (BRD 1965, Živorad Mitrović) 83 Min., DCP
Einer der wenigen frühen deutschen Spielfilme, die sich mit den Prozessen gegen die SS-Aufseher in den KZs aus Opferperspektive beschäftigt; Hintergrund war der sog. ‚Auschwitz-Prozess‘, der 1963-1965 in Frankfurt a. M. stattfand.
19.01.2027 JAKOB DER LÜGNER (DDR 1974, Frank Beyer) 101 Min., DCP
Einer der international erfolgreichsten DEFA-Filme. Die Geschichte von der Macht der ‚positiven Lüge‘ brachte dem Film neben zahlreichen weiteren Preisen wie 1975 dem Silbernen Bären der Berlinale, 1977 auch die Oscarnominierung für den besten ausländischen Film ein.
Kontakt: Professur für Filmwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena – bernhard.gross@uni-jena.de