Von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart, vom Museumsbesuch bis zur Nacht unter der Milchstraße: Saale-Unstrut hat eine ganz besondere Beziehung zum Himmel. Besuchern der Region öffnet sich ein faszinierender, thematischer Kosmos, der die Entdeckung des Weltalls auf kurzen Wegen greifbar macht.
Zwischen geschichtsträchtigen Originalschauplätzen, modernen Wissenszentren und weiten Naturlandschaften finden Sie hier zu jeder Jahreszeit ideale Bedingungen für eine astronomische Entdeckungsreise. Es ist die perfekte Gelegenheit, um das Wissen über die Planeten zu vertiefen oder den Blick ungestört in die Ferne schweifen zu lassen. Dieser Beitrag stellt Ihnen die wichtigsten Stationen für Ihren Sternengucker-Urlaub vor.
Das ermöglichen die Planetarien der Region auf virtuellem Weg – ganz unabhängig von Wetter und Tageszeit. Das Zeiss-Planetarium in Jena feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag und gilt als das dienstälteste Großraum-Planetarium der Welt. Nach einer umfangreichen Modernisierung empfängt es Besuchende heute mit neuester Ton- und Projektionstechnik. Neben klassischen Vorführungen rund um die Sterne stehen hier auch Lesungen, Konzerte und Kindershows auf dem Plan. Zu den Programmhighlights gehören die Mondscheindinner mit Vier-Gänge-Menü unter einem 360-Grad-Sternenhimmel.

In einem stillgelegten Gasometer, nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt, erwartet Sie das Planetarium in Halle (Saale). Im beeindruckenden Sternensaal, ausgestattet mit einer 12 Meter großen Halbkugel als Projektionsfläche, finden regelmäßig Shows statt. Für den direkten Blick in den Nachthimmel stehen zudem eine Beobachtungsterrasse und eine eigene Sternwarte auf dem Dach bereit.
Ein kleineres Planetarium im reinen Ehrenamtsbetrieb finden Besucher in Merseburg. Neben den klassischen Sternenshows und Vorträgen gehören hier auch Kinderprogramme und gemeinsame Himmelsbeobachtungen zum Angebot des Vereins.
Das weltberühmte Original der Himmelsscheibe von Nebra befindet sich zwar im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle, doch der wahre Zauber des jahrtausendealten Schatzes entfaltet sich hier am eigentlichen Fundort. Schon von Weitem fällt das Besucherzentrum Arche Nebra ins Auge: Seine goldene, eckige Form ist der Sonnenbarke nachempfunden, die auch auf der Scheibe zu sehen ist. Eine interaktive Ausstellung im Inneren macht das erstaunliche Wissen der Bronzezeit lebendig. Hier betrachten Sie originalgetreue Kopien der Fundstücke und dürfen ein Modell mit der goldenen Mondsichel und den 32 Sternen sogar selbst in die Hand nehmen. Wie der historische Kalender damals funktionierte, erfahren Sie anschließend in der computergestützten Show im hauseigenen Planetarium.

Das Besucherzentrum lädt zudem regelmäßig zu besonderen Veranstaltungen ein. Bei wechselnden Themenabenden und Live-Shows reisen Sie beispielsweise gemeinsam mit Experten durch das Universum, um Sternbilder zu entschlüsseln. Für Familien lohnt sich auch ein Abstecher zum Erlebnisplatz „Outer Space“, direkt vor dem Besucherzentrum Arche Nebra. Dort wartet ein begehbares “UFO” auf kleine und große Entdecker: Mit einer nachgebauten Kommandobrücke und einem geheimnisvollen Logbuch wird dort spielerisch die Geschichte einer Bruchlandung auf der Erde erzählt.
Der rund drei Kilometer lange Kunstweg „Zwischen Welt und Kosmos“ verbindet die Arche Nebra mit dem nahegelegenen Mittelberg, dem eigentlichen Fundort der Himmelsscheibe. Entlang des Weges begegnen Ihnen immer wieder Kunstinstallationen, die sich mit dem Himmel, der Landschaft und dem Universum auseinandersetzen. Die Stelle, an der die Himmelsscheibe von Nebra über 3.600 Jahre lang verborgen lag, wird durch das sogenannte Himmelsauge markiert – ein überdimensionaler Spiegel, der Himmel und Erde symbolisch miteinander verbindet.

Unweit der Fundstelle ragt ein 30 Meter hoher Aussichtsturm empor. Seine markante Neigung von 10 Grad erinnert an den Zeiger einer Sonnenuhr, und ein feiner Einschnitt im Bauwerk weist genau auf den Brocken. Dort ging zur Sommersonnenwende die Sonne unter – ein Orientierungspunkt, der es den Menschen damals ermöglichte, die Himmelsscheibe auszurichten.
Wissen und Bewegung in der Natur kombiniert der acht Kilometer lange Tautenburger Planetenpfad. Mit Start im Hebetal führt der mit dem Kürzel „TPP“ markierte Rundweg durch den Tautenburger Forst vorbei an 15 Infostationen zum Sonnensystem. Die wichtigsten Himmelskörper sind dabei als Modelle dargestellt und in maßstabsgetreuem Abstand zur Sonne platziert. Als Höhepunkt des Rundgangs wartet die Thüringer Landessternwarte, die an jedem ersten Donnerstag im Monat um 16 Uhr ihre Türen für eine kostenlose Führung öffnet.
Auf Entdeckungsreise durch die Bronzezeit entführt der Himmelsscheibenradweg. Mit Start an der Arche Nebra verläuft er in Richtung Nordosten auf etwa 73 Kilometern entlang der archäologisch bedeutendsten Standorte der Region. Ziel der Tour ist das Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Saale), in dem das echte Original der Himmelsscheibe bewundert werden kann. Radfahrer passieren auf der Strecke immer wieder reizvolle Landschaften und Ausflugsziele wie zum Beispiel den Ziegelrodaer Forst, die Burg Querfurt oder die Weinregion am Süßen See. Ein besonders lohnenswerter Abstecher führt zudem zum Sonnenobservatorium Goseck, das den Ausflug in die prähistorische Astronomie abrundet.
Der Mittelberg bei Nebra zieht bei Einbruch der Dunkelheit nicht nur wegen der geringen Lichtverschmutzung Astronomiebegeisterte an: Als Fundort der Himmelsscheibe umgibt die Anhöhe eine beinahe mystische Aura. In klaren Sommernächten ist hier sogar die Milchstraße mit bloßem Auge zu erkennen, während das „Himmelsauge“ und der Aussichtsturm eine markante Kulisse für den Blick ins All bieten.

Ein geschichtsträchtiger Ort für die Beobachtung findet sich auch in Goseck und Umgebung. Im hiesigen Sonnenobservatorium betrachteten die Menschen schon vor tausenden von Jahren den Lauf der Gestirne. Die weitläufige, dunkle Landschaft rund um die historische Anlage bietet bis heute hervorragende Bedingungen, um Sternbilder ungestört zu betrachten.

Einen weiten Rundblick garantiert die Zscheiplitzer Höhe. Die markante Anhöhe oberhalb von Freyburg liegt weit genug von künstlichen Lichtquellen entfernt, sodass sich der Nachthimmel über dem Unstruttal ohne störende Einflüsse entfaltet.

Weiter südlich bieten die Windknollen bei Jena ein besonderes Panorama: Das weitläufige Naturschutzgebiet auf der Hochebene vereint eine geringe Lichtverschmutzung mit einem reizvollen Kontrast. Während oben auf der freien Fläche die Sterne funkeln, breitet sich im Tal tief unten das Lichtermeer der Stadt Jena aus.
Von der rund 7.000 Jahre alten Kreisgrabenanlage in Goseck – einem der ältesten Sonnenobservatorien Europas – bis zur mindestens 3.600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra: Der Blick nach oben prägt die Saale-Unstrut-Region bereits seit der Stein- und Bronzezeit.
Heute verbindet sich diese reiche Geschichte mit modernen Wissenszentren und unberührter Natur. Ob bei einer Vorführung im Planetarium, beim Wandern auf kosmischen Pfaden oder beim stillen Beobachten der Milchstraße an einem der dunklen Aussichtspunkte – der Himmel über den Flusstälern lädt auch heute noch dazu ein, die Unendlichkeit zu entdecken.
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